Die Inobhutnahme und das Kindeswohl...

Veröffentlicht: Samstag, 12. Mai 2018 Geschrieben von Andreas Puderbach

Immer mehr Inobhutnahmen geschehen aus der Begründung heraus, dass sie dem Kindeswohl entsprächen, weil die Eltern sich in einem Konflikt befänden.
Diese Begründung ist der Öffentlichkeit gar nicht offensichtlich. Denn meist wird mit Inobhutnahmemaßnahmen verbunden, dass diese geschähen, wenn Kinder aus verwahrlosten und aus unhaltbaren Zuständen heraus genommen werden müssen, was durchaus auch nachvollziehbar und gut ist.
Was steckt nun hinter jenen Inobhutnahmen, deren Begründung sich darauf bezieht, Eltern befänden sich in einem kindeswohlschädlichem Konflikt und ihre Kinder müssten aus der Situation "heraus genommen" werden und wie könnte man im Vorhinein solche Situationen verhindern? Nichts desto Trotz, dass sich hier auch damit beschäftigt wird, wer für diese Inobhutnahmen verantwortlich zeichnet, nebst vielerorts anzutreffender zweifelhafter Entscheidungen und noch zweifelhafterer Gutachten, lohnt sich der Blick auch hinter diejenige Kulisse, welche offenbart, dass gerade die sogenannten "Experten" der Familiengerichtsbarkeit und deren Zuarbeiter einen nicht unerheblichen Anteil daran haben, dass sich Kinder plötzlich in einem Kinderheim wieder finden.
Grundsätzlich sagt das Gesetz, dass es sich um eine Maßnahme handelt, die nur dann gerechtfertigt ist, wenn alle anderen Optionen gescheitert oder aussichtslos sind. Nur leider stellen wir fest, dass diejenigen, welche diese Entscheidungen treffen, sich über diesen Grundsatz leichtfertig hinwegsetzen.


Während in vielen EU-Ländern Änderungen des Familienrechts dazu führten, dass die strittigen Fälle vor Gericht zurück gingen, steigen sie in Deutschland stetig an, was alleine schon Indikator dafür ist, dass in unserem Familienrecht einiges nicht zu stimmen scheint.
Ein Streit zwischen Eltern, welche sich in einer Trennungssituation befinden, ist natürlich nie zuträglich und wirkt sich auch allzu oft auf die Kinder aus. Aber all dies darf nicht darüber hinweg täuschen, dass Juristen hier erst einmal die Letzten sein dürften, die einen solchen Streit überhaupt in all seiner Dynamik zu erklären wüssten, was zur Lösung des Konfliktes beitragen könnte, aber nicht deren Aufgabe ist. Und letztlich haben sie dies auch nicht gelernt. Auch viele Mediatoren sind mit Trennungs- und Scheidungskonflikten völlig überfordert. Eine Trennungs- und Scheidungssituation ist ein anderes Kaliber als eine Wirtschafts- oder Schulmediation.
Trotzdem wird dem oft mit den gleichen Mitteln begegnet, was zwangsläufig dann auch scheitern muss. Eine hochemotionale, existenzbedrohende Situation, aus der heraus zumindest ein Elternteil das Haus verlassen muss und die einen tiefen Einschnitt in die seinerzeitige Lebensplanung bedeutet, lässt sich nicht weg reden und auch nicht mit klugen Sprüchen in Talk-Shows, oder Apellen an die Eltern mir nichts dir nichts auflösen.

Elternteile suchen sich aus vielerlei Gründen während der Trennungsphase Hilfe um dann zu bemerken, dass die herbeigerufene Hilfe sich als Totengräber des noch Rettbaren offenbart. Es wird nicht mit den Eltern entschieden, sondern über deren Köpfe hinweg. Und was noch viel schlimmer ist: Man stellt die Konfliktparteien nicht auf eine Stufe.

Meist sind es Väter, welche sich in der Rolle des nicht betreuenden aber zahlungspflichtigen Elternteils wiederfinden. Immer mehr jedoch, aber trotzdem noch in verschwindender Minderheit anzutreffen, kann es auch einmal eine Mutter treffen. Die Väter werden sodann konfrontiert mit Unterhaltsforderungen, welche immer weniger zu befriedigen in der Lage sind. Nicht generell, so wie es gerne medial über den bösen Unterhaltspreller versucht wird der Öffentlichkeit zu erzählen, sondern weil sie schlicht nicht in der Lage sind, den verlangten Unterhalt vollumfänglich aufzubringen, der alljährlich von gut verdienenden Oberlandesrichtern in Düsseldorf ausgewürfelt wird. Eine Berechnung prozentual und analog des vorhandenen Einkommens, wäre da hilfreicher und praxisnäher.

Zudem hantiert man dann gerne noch mit fiktiven Einkünften, falls nicht passt was man sich herbei wünscht, und pfändet im Zweifel bis auf das sozialrechtliche Minimum. Von den steuerlichen Benachteiligungen einmal abgesehen, denn der Unterhaltszahler zahlt Unterhalt nun aus der ungünstigeren Steuerklasse "eins" heraus. Das Steuergesetz sagt, dass die Höhe einer Steuer analog der Leistungsfähigkeit des Steuerbürgers festzusetzen ist. Aber auch hier zeigt die "Obrigkeit" wieder fantasievoll, wie flexibel sie sein kann. So wird Unterhalt aus der Steuerklasse "eins" heraus versteuert von demjenigen, der ja das Geld gar nicht zur Verfügung hat, da er es ja weiter reicht. Viele Mütter haben zudem die Grundeinstellung impliziert bekommen, dass ein Kind nicht nur "zur Mutter gehöre", sondern sie auch alleinig die Oberhoheit über alle das Kind betreffenden Entscheidungen
habe. Das will man ja auch nicht in Abrede stellen, jedoch unterbleibt alleine schon am Anfang eines Konfliktes allzu oft auch der richterliche Hinweis, dass Elternschaft nicht mit einer Trennung endet, was allzu viele betreuene Elternteile zu hoffen scheinen, da der Ex in seinem Erscheinen nur noch Störfaktor ist.


Wenn aber selbst Hinweise auf mütterliche Allmachtsphanatsien eingehen, aber in der Luft zerrissen werden, so ist es eben Aufgabe der sogenannten Experten, eben nicht nur für "Rechtsfrieden" zu sorgen, der allzu oft nur bedeutet, einen Fall vom Tisch zu bekommen, sondern gleichberechtigte Elternschaft zum Wohle des Kindes herzustellen. So wie aber in diesem Artikel oben die jeweilige Position beschrieben wurde, ist von vorneherein festgestellt, dass Väter sich in einer deutlich ungünstigeren Situation befinden, was allzu oft negiert wird, da man lediglich den Fokus auf die finanzielle Versorgung "der Alleinerziehenden" richtet. Schon hier ist die ideologische Verquertheit des Denkens erkennbar. Denn alleinerziehend ist tatsächlich nicht, wer sich lediglich in einer Trennungssituation befindet. Betreuungsmodelle, welche ja auch allzuoft für die Mutter eine Erleichterung darstellen können, in denen der Vater mehr als nur das Übliche an Betreuung für die Kinder übernimmt, werden auch heute noch vom Tisch gefegt, da man mehr Angst vor weniger Zahlungskraft des Vaters hat, als dass ein Gedanke daran verschwendet wird, dass ein anderes Betreuungsmodell auch dem Kinde zuträglich sein kann. Vielmehr hat man nach wie vor mit Umgangsboykotten zu tun, die die Gerichte beschäftigen und die klagende Väter auf dem Rechtsweg beseitigen müssen. Denn auch wenn sie ein gesetzlich verankertes Umgangsrecht haben, so ist es oft nur schwer durchsetzbar. Insbesondere dann nicht, wenn mütterliche Manipulation beim Kind auf fruchtbaren Boden gefallen ist oder die Mutter "Ängste" und anderweitige Störungen zu haben behauptet, die für sie die derzeitige Situation "untragbar" machen. So wird der Fokus stetig weg vom Kind hin zu den Unpässlichkeiten der Mutter transportiert und ihrem Ansinnen auch zugesprochen, statt die Konfliktparteien an ihre beiderseitigen Pflichten nicht nur zu erinnern, sondern bei Zuwiderhandlung auch entsprechende Sanktionen sprechen zu lassen.

Und hier liegt der Kern des Problems! Denn würden im Zweifel tatsächlich entsprechende Sanktionen, wie z.B. empfindliche Ordungsgelder ausgesprochen, würden sich die allermeisten Eltern(teile) durchaus den Vorgaben auch unterwerfen. Es ist auf anderen Rechtsgebieten undenkbar, dass sich trotz Beschlüsse und Vergleiche Richter so dermaßen an der Nase herum führen lassen, wie im Familienrecht. Umgangsboykotte haben keinerlei Auswirkungen. Strafen werden nicht ausgesprochen. Es wird appelliert. Wer genug Chuzpe und Frechheit besitzt, lacht irgendwann darüber. Dagegen herrscht Im Unterhaltsrecht Anwaltspflicht - im Umgangsrecht aber nicht. Alleine dieser Umstand ist ein Indiz dafür, wohin  der Gesetzgeber den Schwerpunkt gelegt hat!

Und nun liegen sich weinend die in den Talk-Shows dazu befragten Experten in den Armen und schwadronieren, dass sie schlußendlich ja gar nichts anderes mehr machen konnten, als das Kind in Obhut nehmen zu lassen, da die Verantwortung und das Beenden des Trennungskonfliktes ja den Eltern obläge. Das sie selbst in Form von "schmutzige Wäsche waschenden" Rechtsanwälten und einseitig agierenden "Beratern", nebst genervten Richtern dafür verantwortlich zu machen sind, wird per Verantwortungsexport in Richtung der Eltern weg geschoben. Hantiert wird zu guter Letzt mit oft zweifelhaften Gutachten. Man will Maßnahmen rechtfertigen, die nur das Ergebnis des eigenen Versagens sind. Die Schuld allein bei den Eltern zu suchen kann nie ausreichen oder auch nur hilfreich sein. Denn wer sich als Experte und Kenner eines Familienrechtes sehen will, muss in der Lage sein, mit Konflikten konstruktiv, neutral und schlichtend umgehen zu können. Dies darf und muss verlangt werden.


Ein System was sich längst selbst zerlegt hat, lässt nichts aus, zu guter Letzt noch einen oben drauf zu setzen.

Denn könnte man nun glauben, dass hier der Kritik Ende wäre, so nimmt das Elend erst recht seinen Lauf. Bei vielen Inobhutnahmen wurde erst gar nicht richtig und ernstzunehmend gerpüft, ob das jeweils andere Elternteil (meist der Vater) zur verantwortungsvollen Betreuung des Kindes in der Lage gewesen wäre. Der Eindruck zwingt sich auf, dass jeder andere, nur nicht der Vater, als geeignete Alternative angesehen wird. Und stellen Sie sich nur einmal vor, sie wären noch einmal ein Kind und würden in ein Kinderheim verfrachtet, dürfte dies im Nachhinein noch für einen Alptraum sorgen und wohl kaum für den Gedanken, wie toll man es fände, nun von den Eltern entfernt zu werden, auch wenn die Situation belastet ist.


Längst ist bekannt, dass Kinderheime und Jugendämter sehr gut und "vertrauensvoll" zusammen arbeiten und das die Inobhutnahme für Viele auch ein einträgliches Geschäft bedeutet. So ist auch zu beobachten, dass nach einer Inobhutnahme keinerlei Interesse besteht, diesen Zusatnd alsbald wieder abzuändern. Man unternimmt alles um das Kind auf keinen Fall wieder zurück zu führen. Ein Zustand, dem sich auch der Bundesgrichtshof schon mehrmals widmen musste. Denn eigentlich sieht das Gesetz anderes vor. Und selbst dann, wenn Eltern therapeutische Maßnahmen über sich haben ergehen lassen, wenn sie ihre Bereitschaft zur Mitwirkung in jeder Hinsicht permanent gezeigt haben, finden sich in vielen Fällen immer wieder fadenscheinige Argumente, das Kind in einem Heim zu belassen.


Die gesamte familienpolitische Katastrophe in Deutschland, der Umgang mit Kindern in Trennungssituationen, das Daraufhinwirken, das wenigstens ein Elternteil nicht mehr permanent mit neuen Anträgen stört, sondern am liebsten mundtot zum Zahler gemacht endlich verschwindet, zeigt eine Grundeinstellung die eines Rechtsstaates nicht würdig ist. Neben vielerorts anzutreffendem Dilettantismus besteht auch Dünkel und Rechthaberei. Nicht die Nachtrennungseltern machen schlußendlich unsere Kinder kaputt, sondern diejenigen, die dem Konflikt einen Turbo verleihen und anfeuern, um dann nach sehr zweifelhaften Entscheidungen vor sich selbst zu kapitulieren und Kinder in eine Fremdbetreuung geben.

Das Zynische daran ist, dass genau diejenigen dann von "Kindeswohl" sprechen. Der Spruch: "den Bock zum Gärtner gemacht",  findet sich hier in Reinkultur wieder.


Andreas Puderbach

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